Nach langer Zeit lasse ich mal wieder etwas von mir hören. die Wochen fliegen hier nur so vorbei und von einem auf den anderen Tag kann sich alles ändern.
So hatten wir 3 Monate lang eine peruanische Apothekerin und ich hatte ihr gerade alles notwendige über die Betäubungsmittelkartei beigebracht, so dass ich zumindest diese Arbeit an sie abgeben konnte und dann hatte sie auch schon wieder gekündigt. Sie wollte sich auf eine Aufnahmeprüfung der Polizei vorbereiten, um dort in einem Labor arbeiten zu können.
Eher aus Verzweiflung habe ich die nächstbeste Krankenschwesterhelferin mit Apothekenerfahrung einstellen lassen, denn wir waren mitten in der Ferienzeit mit sehr vielen Patienten. Der Rekord war an einem Montag, an dem ca 500 Patienten vor dem Krankenhaus warteten.

Zum Jahreswechsel durfte ich meinen ersten Besuch aus Deutschland in Peru empfangen. Meine Freundin Katharina kam zusammen mit einer Kollegin, die mit einer österreichischen Lehrerin, die am Colegio Diospi Suyana arbeitet befreundet ist. Wir verbrachten Weihnachten alle zusammen in Curahausi und feierten Silvester in Arequipa. Arequipa ist die zweitgrößte Stadt in Peru, recht modern und die meisten Missionare verbringen ihre ersten Monate dort um Spanisch zu lernen. Wir unternahmen eine Tour zur Colca-Schlucht um dort die Kondore zu beobachten. Danach ging es für mich zurück nach Curahuasi.

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Kurz darauf kam mein nächster Besuch Felix. Wir verbrachten ein paar Tage zusammen in Curahuasi und Cusco.

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Gebratenes Meerschweinchen- man sagt dass es ähnlich wie Hühnchenfleisch schmeckt

Gebratenes Meerschweinchen-man sagt dass es ähnlich wie Hühnchenfleisch schmeckt.

Im April flog ich für 1Monat nach Deutschland und etwas Abstand zum anstrengenden Krankenhausalltag zu bekommen und eine Pause von der peruanischen Kultur. Ich konnte die Apotheke aber nicht meinen beiden Kolleginnen alleine überlassen. Martina kam die Idee meinen ehemaligen Kollegen Klever zu fragen ob er mich für 1 Monat vertreten könnte. Ihm kam die Gelegenheit sich etwas von seiner anstrengenden Arbeit in Cusco ausruhen zu können sehr recht und er willigte ein. So konnte ich in Ruhe gehen, denn ich wusste dass jemand da ist, der Bescheid weiß und im Notfall alle nötigen Medikamente besorgen kann. Trotzdem habe ich so viel wie möglich vorbereitet und im voraus bestellt.
Als ich zurückkam schien oberflächlich alles in Ordnung zu sein, aber es stellte sich schnell heraus dass der
Schein trügt. Meine beiden Kolleginnen hatten sich in meiner Abwesenheit zerstritten und keine wollte mehr mit der anderen zusammen arbeiten. Meine neuere Kollegin Marleny erzählte mir viele negative Sachen über meine andere Kollegin Viktoria mit der ich in letzter Zeit auch immer mehr Probleme hatte. Trotzdem wusste ich nicht was davon ich wirklich glauben konnte. Nach ein paar Tagen ging es gar nicht mehr, so dass ich ein vermittelndes Gespräch mit den beiden führen mussten damit sie überhaupt noch irgendwie zusammen arbeiten können.
Meine nächste erschreckende Entdeckung war dass sich jemand sehr größzügig an unserer Ärztemusterschublade bedient hat. Als ich ging war sie voll und nun waren nur noch eine paar wenige spezielle Medikamente übrig. Da diese Schublade geheim ist und da sehr ausgewählt Medikamente mitgenommen wurden ist es klar, dass sich ein Apothekenmitarbeiter daran bedient hat. Ärztemuster sind kleine Packungen von Medikamenten die wir geschenkt bekommen, damit wir sie ausprobieren können, aber viele Firmen schenken uns auch große Mengen davon, weil sie wissen dass wir sie an die Patienten weiter verschenken.
Den Großteil gebe ich direkt an die Ärzte weiter aber ein paar Packungen behalten wir, um selber zu testen ob die Medikamente einer Firma gut sind und um damit Kollegen die z.B. mit Kopfschmerzen, Grippe oder Mückenstichen kommen auszuhelfen.
Ich sprach mit allen Mitarbeitern einzeln und alle waren sich einig,  dass sie nicht so viele Medikamente verschenkt haben und dass es jemand mitgenommen haben muss, aber jeder schob die Schuld auf den anderen und im Endeffekt gibt es keine Beweise. In Peru passiert es häufig dass Mitarbeiter ihre Arbeitgeber beklauen, teilweise auch einfach nur um ihren Familienangehörigen zu helfen. Daher werden alle Taschen am Ausgang vom Sicherheitspersonal durchgeschaut.
Dann wurde meine Kollegin Viktoria immer aufmüpfiger, überschreitete ihre Kompetenzen und kommt schon seit langer Zeit häufig zu spät aus ihrer Pause zurück obwohl ich sie schon mehrfach ermahnt hatte, so dass ich ihr 2 offizielle Abmahnungen erteilen musste. Am gleichen Tag an dem sie ihre Kündigung eingereicht hat, stellte sich ein neuer Apothekenmitarbeiter vor. Er ist auch nur ein Krankenplegerhelfer mit Apothekenerfahrung, aber hat seine Familie in Curahuasi, so dass sich hoffentlich die Mühe des Einarbeitens und Lehrens lohnt. Das positive ist, dass er und Marleny hochmotiviert sind und es gerade relativ ruhig ist so dass ich auch die Zeit habe mich um sie zu kümmern.

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Nach den Ferien starteten wir unseren Kinderclub wieder und spielten mit den Kindern die Geschichte von Noah umd seiner Arche nach.

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Das Dorfspiel

Am 25. November war der Jahrestag von Curahuasi. Zu diesem Anlass gibt es immer ein 1 wöchiges Festprogramm. Ein Programmpunkt ist das Dorfspiel für die Kinder, dass immer von Diospi Suyana organisiert wird.
So bauten wor an verschiedenen Plätzen im Dorf verteilt Spielstationen auf. Jedes Spiel hatte Bezug zu einem Teil der Geschichte von Jona, der vom Wal verschluckt worden ist.
Zu Beginn versammelten sich alle Kinder im Stadion. Trotz das gerade als wir beginnen wollten ein heftiges Gewitter an Curahuasi vorbeizog kamen ca 200 Kinder.
Zunächst wurde ihnen die Geschichte von Jona erzählt und danach wurden sie in Gruppen eingeteilt in denen sie dann von einer Spielstation zur Nächsten zogen.
Meine Starion war eine Wasserbombenschlacht bei der sie sich hinter ihren Topfdeckelschutzschildern verstecken konnten. Es bezog sich auf die Situation in der Jona im Schiff ist und ein großer Sturm aufzog.

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Wasserbombenschlacht

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Tauziehen

Nachdem die Gruppen alle Spielstationen durch hatten versammelten sich alle auf dem Hauptplatz. Dort gab es noch ein Liveinterview mit Jona und danach die Siegerehrung. Ich glaube es hat allen sehr viel Freude gemacht und sie haben auch etwas dabei gelernt.

In der Apotheke gab es in letzter Zeit wieder viel Personalwechsel. Eines Tages ist eine meiner Kolleginnen einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen und war auch nicht auf ihrem Handy zu erreichen. Keiner wusste bescheid was los ist. Nach ein paar Tagen kamen dann Gerüchte auf dass sie in Abancay in einem Gesundheitsposten Arbeit bekommen hat. So waren wir plötzlich wieder nur noch zu 2 und mal wieder auf Personalsuche.
Als ich dann in Abancay bei der Arzneimitelbehörde meine Betäubungsmittelkartei einreichte, steckte mir eine neue Mitarbeiterin einen Zettel mit einer Telefonnummer zu und sagte mir ich solle da mal anrufen, dass sei die Nr einer Apothekerin die noch freie Kapazitäten hat. So rief ich sie am nächsten Tag an. Sie war gerade dabei sich für eine Arbeitsstelle bei einer Apothekenkette zu entscheiden. Glücklicherweise erschien ihr die Arbeit in einem Krankenhaus aber interssanter und attraktiver zu sein und so kam sie am darauffolgenden Tag zu einem Vorstellungsgespräch vorbei. Wir gaben uns alle Mühe ihr die Arbeitsstelle so attraktiv wie möglich zu machen, denn wir wussten dass es unsere einzige Chance sein wird einen Apotheker zu bekommen und schlussendlich hat sie wirklich zugesagt und auch angefangen zu arbeiten.
Sie kam für uns wirklich in letzter Minute. Unser Vorrat an Fentanyl neigte sich dem Ende zu und ich versuchte verzweifelt Neues zu besorgen. Da es sich aber um ein Betäubungsmittel handelt war es selbst in Peru ohne Apotheker nicht zu bekommen.
Wir mussten allerdings zunächst alle Dokumente bei der Arzneimittelbehörde einreichen um sie offiziell als unsere Apothekerin im Register einragen zu lassen. Aber dieser Prozess dauert mind 1 Monat und so viel Zeit blieb uns nicht und ohne die Eintragung ins Register wollte mir die Arzneimittelbehörde das Bestellformular für das Fentanyl nicht unterschreiben, dass man normalerweise für die Bestellung benötigt. Glücklicherweise habe ich dann einen Lieferanten gefunden der sich bereiterklärte, mir das Fentanyl ohne dieses Formular zu liefern und sich mit der Kopie der Antragsdokumente für  die Eintragung ins Register zufrieden gab. Die Lieferung traf gerade an dem Tag ein, an dem im OP die letzte Ampulle Fentanyl verbraucht worden ist. Ohne Fentanyl hätten wir keine weiteren OPs machen können.

In den Bergen Abancays

Immer Donnerstags arbeitet in der Zahnklinik die amerikanische Zahnärztin Erin mit, die eigentlich in Abancay lebt.
Hauptsächlich organisiert sie aber Zahnarztkampagnen in den Dörfern in den Bergen rund um Abancay.
Ihr Ehemann, Brandon, ist Linguist und lernte in den Dörfern perfekt Quechua sprechen, so dass er selbst Spanisch schon mit einem Quechuaakzent spricht. Mit einem Team von einheimischen Pastoren übersetzt er die Bibel und nimmt sie auch auf, da viele Quechuas weder lesen noch schreiben können.
Letztes Wochenende habe ich mit einer peruanischen Freundin vom Krankenhaus an einer ihrer Kampagnen teilgenommen. Vor allem interessierte mich zu sehen woher meine Patienten kommen und wie sie tatsächlich leben.
Außer diesem Ehepaar, ihrem 2jährigen Sohn und uns kam noch eine Zahmedizinstudentin aus Cusco mit und ein paar Bruder aus einer anderen Bergdorfgemeinde.
Nach einer 2 1/2stündigen Fahrt über kurvige Schotterpisten durch die Berge kamen wir in einem Dorf namens Marjoni an. Ich war überrascht wie groß dieses Dporf doch war im Vergleich zu dem Dorf in dem wir die Kampagne vom Krankenhaus gemacht haben, das nur aus ein paar Häusern bestand.
Zwischen den Häusern hindurch führten ein paar staubige, schmale Wege. Alle Häuser bestanden aus Adobe und die Böden in den Häusern waren purer Erdboden. So war alles recht staubig und schmutzig, aber die Bewohner hatten sich daran gewöhnt und störten sich nicht daran. Ein kleines Mädchen saß auf dem Erdboden neben ihrer Mutter die uns gerade das Frühstück zubereitete. Ihre Wollhose war ganz staubig und weil eines ihrer Hosenbeine nass geworden ist war es voller Schlamm. So lief sie dann den ganzen Tag herum. Sie meinten die Kinder fühlten sich auf dem Erboden am wohlsten, vor allem.wenn sie sich dann so richtig dreckig machen dürften.
Nachdem wir die Klinik im Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet hatten bekamen wir unser Frühstück. Es gab Chuño mit Käse. Chuño ist eine Kartoffelsorte die man zunächst eine zeitlang eingefroren lagert und dann normal wie Pellkartoffeln kocht. Dazu gab es einen süßen Tee mit Milch. Wir saßen draußen vor dem Haus und in unserer Mitte stand die Schüssel mit den Kartoffeln aus der sich auch ganz frei 2 Lämmchen bedienten was die Einheimischen aber wenig störte.
Meine Aufgabe bei der Kampagne war die Patienten zu registrieren, beizeiten aufzurufen und die benutzen Instrumente zu säubern und sterilisieren. In diesem Dorf sprachen wirklich alle quechua und nur ein paar konnten auch spanisch sprechen.
Am eindrücklichsten bei der Registrierung war für mich, dass nur wenige genau wussten wie alt sie sind und noch weniger wussten in welchem Jahr sie geboren sind. Eine ältere sagte mir sie sei 1984 geboren. Dann fragte ich sie wie alt sie denn sei und sie meinte 45, 50 oder doch eher 62? Ihr Ehemann sagte daraufhin, dass sie doch eher um 1950 rum geboren sei, also müsste es dann wahrscheinlich 1948 gewesen sein. Im Endeffekt habe ich dann ihr Alter geschätzt und war froh um jeden der mir einfach seinen Ausweis zeigte, von dem ich abschreiben konnte. Generell meinten sie, dass das Alter ihnen einfach nicht so wichtig sei.
Um den Patienten die Wartezeit zu verkürzen führte Brandon mit den Brüdern aus dem anderen Bergdorf die Geschichte vom verlorenen Sohn als Theaterstück auf quechua vor. Außerdem erklärten sie warum es wichtig sei sich die Zähne zu putzen und wie man das richtig macht.
Der Zustand der Zähne der Peruaner ist wirklich erschreckend. Oft höre ich von der Zahnärztin Marlen, dass sie jetzt schon wieder einem 3jährigem Kind 4 Zähne ziehen muss. Diese Kinder werden Probleme haben richtig sprechen zu lernen und dass schlimmste ist das oft die nackommenden Zähne auch bereits von Karies befallen sind. Viele der Kinder haben sehr große Angst vorm Zahnarzt weil sie bereits schlechte Erfahrungen mit den Zahnärzten vom Gesundheitsposten gemacht haben. So sind sie nur noch mit Hilfe von Midazolamsaft behandelbar und wenn der nicht anschlägt bleibt nur noch eine Behandlung unter Vollnarkose.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken gehen sie regelmigäßig in Schulen und Kindergärten in Curahuasi und Umgebung um die Kinder und ihre Eltern über richtige Zahnpflege aufzuklären.
Das Schöne daran ist, dass man tatsächlich Verbesesserungen feststellen kann. Es war das 2. Mal dass Erin und ihr Team im Bergdorf Marjoni waren und diesmal mussten schon nicht mehr so viele Zähne gezogen werden sondern sie konnten noch ein paar Zähne mittels Füllungen retten.

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Campaña medica

Jedes Jahr wenn die Regenzeit vorbei ist plant das Krankenhaus eine Campaña medica. Dazu geht es weiter rauf in die Berge um Curahuasi in noch kleinete und abgelegenere Dörfer die man während der Regenzeit gar nicht erreichen kann, weil die Straße nur aus Erde besteht die sich mit dem Regen in sehr zähen Schlamm verwandelt, in dem sich so ziemlich jedes Farzeug festfahren würde.
Im Krankenhaus arbeitet ein Pastor der die Patienten die im Krankenhaus zu Gott gefunden haben besucht und schaut wie es ihnen geht. Mit ihm wird daher der Ort koordiniert wo wir eine Kampagne machen können.

So sind wir letzten Samstag frühmorgens nach Ccocha aufgebrochen. Es ist ein Dorf dass mit einem gutem Auto 2 Fahrstunden von Curahausi entfernt liegt auf ca 3600m. Ccocha ist Quechua und bedeutet Lagune. so liegt der Ort auch an einer kleinen Lagune mit einem traumhaften Blick auf all die umliegenden schneebedeckten Berge. Morgens war allerdings noch alles in Nebel gehüllt und es war sehr kalt.

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Der Ort ist eigentlich nur eine Ansammlung von ca 5 Häusern und daher war ich überrascht dass es dort eine Schule gibt. In diesem Gebäuden haben wir eine kleine Klinik aufgebaut, wobei die Apotheke eigentlich am aufwendigsten war. Die Tage davor habe ich alle benötigten  Medikamente besorgt, eine Liste für die Ärzte erstellt und alles in Kisten gepackt. Leider kann man nie so genau voraussagen wie viele Patienten kommen werden. Da 3 Allgemeinärzte 1 Gynäkologin mitgekommen sind haben wir für ca 100 Patienten geplant. Tatsächlich waren es dann nur ca 55 Patienten und wir konnten alle recht entspannt arbeiten was auch schön war, weil die meisten von den letzen Wochen schon recht müde waren.
Die meisten Patienten dort und selbst deren Kinder haben wirklich nur Quechua gesprochen, so war ich sehr froh dass mir der Krankenpfleger Juvenal alles übersetzt hat.

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Neben der Klinik gab es noch ein kleines Programm für die Kinder und später auch noch etwas für die Erwachsenen. Außerdem wurde eine kleine Schulung über richtige Zahnpflege gemacht und Zahnbürsten und Zahnseide verschenkt.

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Mittags wurden wir mit gekochten Kartoffeln und gekochtem Ei versorgt. In meiner einen Kartoffel die ich aß waren allein 3 kleine Würmer drin.
Gegen 3Uhr mussten wir dann langsam zusammenpacken um vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Curahuasi zu sein. Um 6 Uhr abends ist es momentan schon dunkel.
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Im Krankenhaus ist es für mich gerade wieder anstrengender in der Apotheke geworden. Unsere langjährige Stütze in der Apotheke, Klever, hat gekündigt. Er selbst möchte eigentlich gar nicht gehen, aber die Familie seiner Frau übt großen Druck auf ihn aus. Da sie nun 2 kleine Kinder haben sagt ihre Familie sei es jetzt höchste Zeit für ihn ein eigenes Haus zu bauen. Zunächst plante er in Curahuasi zu bauen auf einem Gelände  seiner Familie aber aus irgendeinem Grund hat das wohl nicht geklappt. Die Familie seiner Frau wohnt in der Nähe  von Cusco und besitzt dort ein paar freie Grundstücke auf denen er nun ein Haus bauen soll und in ihrem Familienunternehmen mitarbeiten soll. Ihre Familie hat ein kleines Busunternehmen dass den ganzen Tag über auf seiner Route durch Cusco kreuzt. So wird er künftig den Bus fahren oder Fahrgeld einkassieren anstelle in einer Apotheke zu arbeiten. Keiner von ihnen möchte eigentlich wirklich dort leben und seine Kinder fühlen sich auch in Curahuasi sehr wohl und er hofft in 2-3Jahren nach Curahuasi zurückkehren zu können. Wozu ihnen dann das Haus bei Cusco dient ist typische Peruanerlogik und für unserseins nicht nachvollziehbar.
Ich hoffe nur dass wir bald neues, fähiges Personal für die Apotheke finden da es nun wirklich knapp wird.

Kinderclub

Seit Beginn des neuen Schuljahres Anfang April helfe ich Mittwochs an meinem freien Nachmittag im Kinderclub mit. Jeden Tag in der Woche wird ein Kinderclub für eine Altersklasse angeboten, Wir haben die Kindergartenkinder, die 3-5 Jahre alt sind. Es kommen jedes Mal 20-30 Kinder. Meist sind sie schon früher da als ich, rennen mir begeistert entgegen wenn ich komme und warten ungeduldig bis es endlich losgeht. Sie nennen uns immer „Hermanita“ was Schwesterchen bedeutet.

Zuerst dürfen sie etwas mit den Spielsachen vom Club draußen spielen und dann bilden wir zum Anfangen einen großen Kreis und singen zusammen. Danach geht es in den Club rein und es wird ihnen kindgerecht mit Bildern oder anderen Hilfsmittel eine einfache Geschichte aus der Bibel erzählt. Obwohl sich alle immer viel Mühe geben es möglichst interessant zu gestalten, ist es immer schwierig die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen und auch zu behalten, damit sie auch verstehen worum es geht. Diese Woche werde ich vor dieser Herausforderung stehen.

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Danach gibt es passend zum Thema immer eine kleine Bastelarbeit. Am allerliebsten malen die Kinder, weil sie sich mit Schere und Kleber noch etwas schwertun, Vielen muss man erst einmal zeigen wie man einen Stift hält oder wie man mit einer Schere umgeht. Daher brauchen wir auch recht viele Mitarbeiter,damit das ganze nicht im Chaos endet. Schön ist, dass bei uns auch 3 Peruanerinnen mithelfen.
Zum Abschied bekommen die Kinder immer eine Süßigkeit oder Obst, denn wir dürfen unserer Zahnärztin nicht zu viel Arbeit bescheren 😉 und dann werden sie von ihren Eltern, Oma oder älteren Geschwistern abgeholt.
Für mich ist es ein schöner Ausgleich zum Krankenhausalltag. Man sieht und macht mal etwas anderes und kann den Problemen im Krankenhaus dann wieder entspannter begegnen.
Die Kinder aus den besseren Familien lernen mal eine Zeit lang ohne Mama auszukommen und die anderen Kinder haben überhaupt mal jemanden der sich ihnen annimmt und sich die Mühe macht ihnen etwas beizubringen.
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Essen in Peru

Das Essen ist für die Peruaner wirklich etwas wichtiges, vor allem das Mittagessen. Jedes mal wenn ich aus einem Urlaub zurückkam fragte mich meine Arbeitskollegin was ich denn so im Urlaub gegessen hätte..

Ein Mittagessen hat mindestens aus einer Vorspeise, i.d.R. eine Suppe und einer Hauptspeise zu bestehen. Es fällt meist so üppig aus, dass unsereins es meist nicht aufessen kann und man sich fragt wo die kleinen Peruaner das hinstecken. Zum Frühstück und zum Abendessen essen sie dafür kaum etwas.

So besteht auch das Mittagessen im Krankenhaus immer aus einer Suppe, einem Hauptgang, Nachtisch und Erfrischungsgetränk. Die Hauptgänge waren früher zumeist Reis, Kartoffel und irgendein Fleisch.
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Außerdem gibt es auch mindestens 1mal pro Woche Hülsenfrüchte wie Linsen oder eine Bohnensorte und Reis.
Glücklicherweise kam dann eine Ernährungsberaterin ins Krankenhaus, die nun die Chefin der Kantine ist. Seit dem ist das Essen bunter geworden und es gibt fast immer einen kleinen Salat zum Essen und auch mal ein paar Gemüsestücke.

Dank meiner peruanischen Mitbewohnerin habe ich auch schon gelernt meine peruanischen Lieblingsessen selbst zu kochen. Sie sind sogar ganz ohne Fleisch, was es in Peru eigentlich kaum gibt 😉

Das ist Papa a la Huancaina
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und Papa rellena (gefüllte Kartoffel)
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Sie ist meist mit Ei gefüllt, es kann aber auch Gemüse oder Fleisch drin sein.

Die Peruaner aus den Städten essen so wie wir auch 3x am Tag. Komplizierter wird es da bei der Landbevölkerung, den Campesinos. Die stehen ja meist schon um 3 oder 4 Uhr morgens auf, essen dann ein sehr kleines Frühstück und haben natürlich um 8 Uhr schon wieder Hunger. Dann essen sie ihr “Mittagessen” was entweder Suppe oder ein Hauptgang ist. Um 12 Uhr gibt es dann wieder ein Essen was sich “Picante” nennt und manche essen dann gegen 5 Uhr noch ein kleines Abendessen.
So kam es in der Apotheke doch schon häufiger zu Verwirrungen was nun Frühstück ist, was Mittagessen und Abendessen ist und wann nun welche Tablette eingenommen werden soll.
Es hat mich manchmal schon fast wahnsinnig gemacht wenn ich einem Patienten ausführlichst erklärt habe, dass er die Tablette nach dem Frühstück einzunehmen hat und er man Ende zu dem Entschluss kam er müsse die Tablette also nach dem Mittagessen nehmen und ich mich fragte wie er bloß darauf kommt, weil ich in keinem Moment das Wort Mittagessen erwähnt habe.

Für uns Missionare ist das Essensangebot in Curahuasi in den letzten Jahren immer größer geworden. Es gibt nur noch wenige Produkte die man extra aus Cusco mitbringen muss oder selber herstellen, weil es sie sonst nicht gibt.
Einmal pro Woche wird im Krankenhaus “deutsches Brot” hergestellt, was wir dort kaufen können. Es ist nicht wirklich wie deutsches Brot, aber zumindest enthält es ein paar Körner, ein bisschen Vollkorn und schmeckt vor allem nicht süß. Ab und zu braucht man aber trotzdem mal etwas anderes und so backe ich manchmal selber Brot. Außerdem habe ich gelernt selbst Marmelade einzukochen und Joghurt herzustellen. Joghurt gibt es hier zwar auch in den Läden, allerdings nur eine sehr süße Sorte und außerdem wird er außerhalb des Kühlschrankes gelagert und man weiß nie wie lange er schon so im Laden herumsteht. Viele Läden haben einfach keinen Kühlschrank und die Leute meinen man müsste ihn auch erst in den Kühlschrank tun wenn er geöffnet sei.
Eine Missionarin stellt ab und zu Käse her und verkauft ihn dann zum Selbstkostenpreis und eine andere Missionarin fängt gerade an Quark herzustellen. Den gibt es in Peru nämlich wirklich nicht. Nur in Cusco kann man ihn in einem österreichischen Restaurant sehr teuer kaufen.
Das hier ist eine andere Besonderheit hier:
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Diese Nutella habe ich von der Ehefrau eines amerikanischen Arztes geschenkt bekommen, der nur für ein paar Wochen hier war. Ich habe mich noch nie so sehr über ein Glas Nutella gefreut.
Man kann es zwar auch in Cusco kaufen, aber dort kostet 1 Glas etwa 5 Euro.

Neues Jahr

Dieses Jahr hat im Krankenhaus wesentlich ruhiger begonnen als letztes Jahr.
Obwohl wir immer noch keinen neuen Apotheker haben und auch keiner in Sicht ist, ist die Arbeit viel entspannter als letztes Jahr. Es gibt keine langen Schlangen mehr in der Apotheke und man hat tatsächlich Zeit in Ruhe den Patienten ihre Medikamente zu erklären und kann sich mit ihnen unterhalten.
Momentan haben wir noch zusätzlich eine Praktikantin in der Apotheke. Sie kommt aus Curahuasi und studiert gerade in Cusco Apothekenhelferin und muss dafür ein Praktikum machen. Ich war sehr positiv von ihr überrascht. Sie lernt sehr schnell, denkt mit, arbeitet selbstständig ohne dass man auf jede Arbeit die zu tun ist hinweisen muss und arbeitet genau und sorgfältig. Alles Eigenschaften die hier nicht so selbstverständlich sind.
Dass wir so wenig Arbeit haben liegt aber auch daran, dass es momentan viel weniger Ärzte gibt als bisher. 2 ausländische Ärzte sind vorzeitig in ihre Länder zurückgegangen und eine peruanische Ärztin hat gekündigt und es wurde noch kein Ersatz für sie gefunden.
Leider können wir daher auch weniger Patienten behandeln. So mussten eines Montags 150 Patienten direkt zurückgeschickt werden, weil die Woche schon komplett mit Patienten aus der vorherigen Woche belegt war.
Viele Patienten die keinen Coupon für Allgemeinmedizin bekommen haben, versuchen dann zumindest einen Coupon für Gynäkologie zu bekommen. Dann stehen sie am Ende in der Apotheke und beschweren sich, dass sie keine Medikamente für ihre Rückenschmerzen bekommen.
Sehr schade war es, als ich dann eine Patientin in der Apotheke stehen hatte, die wirklich einen Termin beim Gynäkologen gebraucht hätte, aber wegen der vielen anderen Patienten leider gar nichts mehr frei gewesen ist. Sie hatte eine 1 1/2 tägige Anreise hinter sich und kommt aus einem weit entfernten Dorf. Wir konnten sie nur darauf vertrösten es zu versuchen im April oder Mai wiederzukommen, wenn die Ferienzeit vorbei ist.

Letzte Woche war eine Gruppe von chilenischen Jugendlichen am Krankenhaus. Sie haben die Morgenandacht mit gestaltet und auch morgens im großen Wartesaal der Patienten kurze Theaterstücke oder Tänze aufgeführt und sich mit den Patienten unterhalten. Am Samstagmorgen haben sie einen kleinen Missionsworkshop angeboten und waren dann nachmittags im Dorf evangelisieren. Es ist immer wieder eine Bereicherung wenn solche Gruppen hier vorbeikommen.